Boßeln

Kategorie: Boßeln
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In Schleswig-Holstein heißt die Sportart Boßeln und in Ostfriesland und Oldenburg Klootschießen. Zwar haben Klootschießen und Boßeln eine gemeinsame Spielidee, aber Ihre Geschichte ist unterschiedlich...

  

 

Übersicht

· Boßeln - Technik · Kurz übers Boßeln
· Boßlerverbände · Aus der Historie
· Heutige Feldfämpfe · Standboßeln
· Feldboßeln · Straßenboßeln
· Boßel-Kugeln · Kleines Boßel-Wörterbuch
· Boßellied "Lüch op"  

 

 

 

Boßeln - Technik


 

Boßeln in Eiderstedt bzw. Nordfriesland ist nicht zu verwechseln mit dem Strassenboßeln, was man aus dem Ostfriesischen kennt. Das nordfriesische Boßeln ist eher eine Mischung aus Diskus-Werfen (Drehung) und Speerwerfen (langer Anlauf). Die Kugel - Boßel - besteht heutzutage aus Holz mit Bleifüllungen und ist bei den Erwachsenen 1 Pfund (500 gr) schwer, bei den Jugendlichen 3/4 Pfund (375 gr), Kinder boßeln mit 1/2 Pfund (250gr). Gehalten wird die Boßel mit einer Drei-Fingertechnik aus Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Beim Anlauf ist der Arm ganz gestreckt und der Daumen zeigt nach vorne. Dann im Lauf eine ganze Drehung und von unten die Boßel so weit wie möglich herausschleudern...


 

Das Boßeln unterscheidet man nach folgenden Varianten / Disziplinen:
dem Standboßeln
dem Feldboßeln
dem Straßenboßeln

im Winter tritt beim Feldkampf die ganze Mannschaft gegen einen anderen Boßelverein an.

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Kurz übers Boßeln:



Boßel heißt Kugel, auf Platt wird auch der Kopf als Boßel bezeichnet. Im Lande Oldenburg, in Ostfriesland und in den Niederlanden heißt der Sport "Klootschießen", wobei Kloot soviel wie Klumpen bedeudet. Die Friesen, so will die Überlieferung, wehrten einst Angriffe der Römer ab, indem sie den Feind mit harten Erdklumpen bewarfen. Beim Boßeln, Klootschießen oder Bowl-Playing (so heißt der Sport in Irland) geht es darum, eine mit Blei gefüllte Holzkugel möglichst weit zu werfen, dabei wird unterschieden zwischen "Flüchten" - es zählt die Weite zwischen Abwurf und erstem Auftreffen und "Trümmeln" - gemessen wird die erzielte Weite bis zu dem Punkt, an dem die Boßel ausrollt. Früher traten ganze Dörfer oder Kirchspiele mit über 100köpfigen Mannschaften gegeneinander an. So einen Wettkampf beschreibt Theodor Storm auch in seinem Buch "Schimmelreiter".

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Boßlerverbände:


Heutzutage ist das Bosseln Angelegenheit der Vereine. 1894 wurde der Verband Schleswig-Holsteiner Boßler (VSHB) gegründet, dessen Mitglieder sind der Unterverband (UV) Eiderstedt, der Unterverband (UV) Norden mit Husum und Umgebung, der Unterverband (UV) Dittmarschen, der Unterverband (UV) Steinburg und der Hooger Boßelverein. Seit den 1950er Jahren boßeln die Frauen offiziell mit, auch bei den Europameisterschaften, die von der 1969 gegründeten International Bowl Playing Association seit 1972 alle vier Jahre ausgetragen werden. Schon bei den althergebrachten Wettkämpfen gehörten die Boßlerinnen dazu, zwei galten jeweils für einen männlichen Werfer.

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Aus der Historie


Boßeln ist eine Sportart, die in verschiedenen Ländern und Landesteilen Europas auf verschiedene Weise betrieben wird:
Es ist ungeklärt, wo die Anfänge des Boßelspiels für den schleswig-holsteinischen Raum liegen. Die Tatsache, dass es vor allem in jenen Gebieten betrieben wird, die in enger Verbindung mit den Niederlanden standen, legt die Vermutung nahe, dass es eventuell von holländischen Deichbauern und Siedlern eingeführt worden ist. Aus der Landschaft Eiderstedt gilt ein vierseitiger Herausforderungsbrief als erster schriftlicher Hinweis. Schon früheren Autoren, die sich mit dem Boßeln befasst haben, fiel auf, dass die beiden sonst sehr ausführlich und genau berichtenden Chronisten Danckwerth (Newe Landesbeschreibung) und Heimreich (Nordfriesische Chronik) das Boßeln in ihren im 17.Jahrhundert erschienenen Werken mit keiner Silbe erwähnt haben. Diese Tatsache legt den Schluss nahe, dass es frühestens in der zweiten Hälfte des 17. bzw. zu Anfang des 18. Jahrhunderts zum Aufkommen und zu einer schnellen Popularisierung des Spiels kam. Doch mit absoluter Bestimmtheit lässt sich kein Datum festlegen.
Als erster schriftlicher Hinweis gilt ein vierseitiger Herausforderungsbrief aus der Landschaft Eiderstedt. Der Lehnsmann Peter Hinrich Cornils aus Poppenbüll sowie vier seiner Mitstreiter fordern im Jahre 1757 Revanche für einen verlorenen Wettkampf im Eisboselwerfen:


Een Breef an Antoine in de Old-Augusten-Koog



Leewe Frünnen!
Bi dat letzt Isboßelsmieten twüschen uns und Ju`s Lüüd ut dat Kaarkspeel, hebbt wi de Körtere trocken. Nu is wedder Is un Frost un wi wüllt uns gern revanscheern, dat schall een nie Versöök geven. Wi nehmt uns de Friehiet ju de Rutforderung tokamen to laten. Wie beeden dorüm, uns weeten to laten, wo dat Spillwark makt warrn schall. Wi wüllt gern weeten an wat för een Oort un Laag un woveel Mackers mit doon schüllt un schrievt uns, ob dat bi Ju oder bi uns in Karkspeel-Krog maakt warrn schall.

Mit hartli Gröten Ju`s Früünd
Poppenbüll in dat Johr 1757
Hinrich Peter Cornils

Wie dieser Wettkampf ausgegangen ist, wie viele Personen daran beteiligt waren und wie die Spielregeln im einzelnen ausgesehen haben mögen, ist unbekannt.
Eine erste, relativ detaillierte Beschreibung des Spiels vermitteln uns die Schleswig-Holsteinischen Provinzialberichte des Jahres 1787:

Een Vergnögen in de Wintertiet is dat Bosseln. Bi dütt Vergnögen wettiefern twee Dörper mit- un gegeneenanner. Beide Partien, wobi jeede Deel meist ut veerdig Minschen besteiht, drapen sik up een bestimmte Steed, vun wo ut jedereen vun jeede Siet een lütte holten mit Blie füllte Kugel in een Boogen dör de Luft smitt. Vörut sünd all de Mackers upstellt, de sick marken mööt, an wat för een Oort de Kugel dalfalln deiht. So treckt de Versammlung meist een halv Miel weg, denn dreiht se üm un de Partie, de eern Kugel toerst wedder an de Placken trüch bröcht hett, wo se anfungen sünd, de hett wunnen. Na dat Speelwark gift dat wat to winnen un all de Deelnehmers laden sik in Früündschop in`n roog bi Beer un Toback in. 

Auch Schütze erwähnt in seinem 1800 erschienenen Wörterbuch das Boßeln an zwei Stellen. Mitte des 19. Jahrhunderts scheint das Boßeln einen Höhepunkt erreicht zu haben, denn kaum ein Autor, der sich mit Landschaft, Menschen und Brauchtum der Elb- und Nordseemarschen beschäftigt, lässt das Boßeln unerwähnt. Es zählte, wenn man zum Beispiel den Verfassern der 1847 in Altona erschienenen „Festgabe für die Mitglieder der elften Versammlung deutscher Land- und Forstwirthe” Glauben schenken darf, zu den wichtigsten Wintervergnügen unserer Landsleute.

Aus Norderdithmarschen hingegen ist folgende Notiz überliefert:

As Speelwark för all Lüüd köönt wie nömen:
In de Sommertied Ringrieden, Vagelscheeten, Wettloopen; in de Wintertied dat Isbosseln mit eenpündig isern Kugeln. Dat Letzt warrt aver nich mehr so ievrig un allgemeen as fröher bedreeven.



Wie der Journalist Oskar Gerlach zu berichten weiß, nahmen die Beteiligten den Wettkampf mitunter so ernst, daß selbst ein Handgemenge oder gar eine handfeste Keilerei keine Lösung der Probleme erbrachten und man im Streit über den Ausgang eines Feldkampfes bis vor das Gericht zog, wie etwa in einer Auseinandersetzung der Orte Oldenswort, Witzwort und Uelvesbüll Mitte des 19. Jahrhunderts. Nur der Ausbruch des 1848er Krieges verhinderte einen bereits angesetzten Prozess, bei dem es um den erheblichen Streitwert von vier Fennen gegangen sein soll.



In geordnete Bahnen wurde das Boßeln erst 1894 gebracht, auf Anregung des Glückstädter Uhrmachers Heinrich Minck, der gemeinsam mit Eiderstedter Sportsfreunden auf die Gründung eines Verbandes schleswig-holsteinischer Eisboßler hinarbeitete. Diese zeittypische Vereins- und Verbandsgründung, wie sie in ähnlicher Form in vielen gesellschaftlichen, kulturellen und sportlichen Bereichen hochmodern war, hat zweifellos durch die Festsetzung einheitlicher und verbindlicher Statuten und Regeln dem Boßeln viele Elemente seiner Ursprünglichkeit genommen, doch vielleicht ist es gerade diesen Umständen zu verdanken, dass an der Westküste Schleswig-Holsteins bis auf den heutigen Tag weiter geboßelt wird!

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Heutige Feldfämpfe

Der Feldkampf ist die traditionelle Art in den Wintermonaten an der Schleswig- Holsteinischen Westküste zu boßeln, deswegen stammt auch von früher der Name "Eisboßeln".



Es finden sich 2 Mannschaften mit bis zu 20 Boßlern und mehr zusammen. Es kämpft ein Ort (Verein) gegen den anderen. Hier geht es über Land (eher im Winter, wenn die Gräben zugefroren sind) oder an einem Deich entlang. Die Größe der Mannschaft ist beliebig, wichtig ist nur, dass die Anzahl der Boßler beider Mannschaften gleich ist. Somit bestimmt die kleinere Mannschaft die Größe.
Vor Beginn werden Bahn, Regelarien und Boßelrolle (Mannschaftsaufstellung) festgelegt. Die Wurftechnik ist die des Feldboßelns, der Trüll wird mitgezählt.
Abwechselnd stellen die Mannschaften nun ihren jeweiligen Werfer auf, der von dem Punkt aus wirft, wo die Boßel nach dem Ausrollen seines Mannschaftsvorgängers liegen geblieben ist. Der Stockleger jeder Mannschaft markiert die Stelle mit einem Stock. Die jeweils zurückliegende Kugel wird im weiteren Verlauf zuerst geworfen. Gelingt es der zurückliegenden Mannschaft erneut nicht, an der gegnerischen Kugel vorbeizuwerfen, erhält der Gegner einen Schott. Wenn alle Werfer einmal geworfen haben, geht es in die andere Richtung wieder zurück.
Gewonnen hat die Mannschaft mit den meisten Schotts und Metern.
Wenn drei Kämpfe hintereinander gegen dieselbe Mannschaft verloren wurden, erhält die Gewinnermannschaft von den Verlierern eine goldene Boßel als Anerkennung.
Die Feldkämpfe dienen der Geselligkeit von Alt und Jung, der Pflege des Traditionssports Boßeln und der plattdeutschen Sprache.



Schott = Man hat als Mannschaft ein Schott erreicht, wenn der Werfer der zurückliegenden Mannschaft (die immer zuerst wirft) es nicht schafft die Weite der vorne liegenden Mannschaft zu erreichen. Bei der vorne liegenden Mannschaft setzt nun der Werfer, der an der Reihe ist aus. Die zurückliegende Mannchaft beginnt wieder mit dem nächsten Werfer. Sollte nun die eigene Mannschaft ein Schott verlieren, wird das vorher gewonnene Schott wieder rausgezogen - der Boßler, der vorher ausgesetzt hat darf nun doch noch boßeln...

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Standboßeln


Hier zählt die Einzelleistung des Bosslers, der Werfer, der in 3 Würfen am weitesten schmeißt, gewinnt... Es wird die Wurfleistung gemessen, also bis da wo die Boßel aufschlägt (Der Trüll wird nicht mitgezählt).

Das Standboßeln ist eine Disziplin die bei Nationalen und Internationalen Ausscheidungen, wie zum Beispiel Preisboßeln, beim HV-Fest und beim UV-Fest oder auch Deutsche Meisterschaft und Europameisterschaft ausgeübt wird.

Boßel

eine 500 g schwere, mit Blei gefüllte, Holzkugel

Ablauf

Das Standboßeln ist ein Wettkampf, bei dem jeder Werfer drei Würfe in eine abgesteckte Bahn werfen muss.

Wurftechnik

Die Wurftechnik ähnelt der beim Discuswurf. Der Werfer läuft an und dreht sich vor dem Abwurf einmal um die eigene Achse, die Boßel wird mir ausgestrecktem Arm im 45° Winkel nach oben vorwärts geschleudert. Alle drei geworfenen Boßeln müssen in diesem Sektor landen, sonst kommt es zu keiner Wertung bei der Einzelmeisterschaft. So hat auch ein nur durchschnittlich guter Boßler die Chance auf einen Sieg.

Wertung

Es wird in verschiedenen Altersklassen bewertet:
Klasse 1 - 15 bis einschl. 16 Jahre
Klasse 2 - 17 bis einschl. 18 Jahre
Klasse 3 - 19 bis einschl. 29 Jahre
Klasse 4 - 30 bis einschl. 39 Jahre
Klasse 5 - 40 bis einschl. 49 Jahre
Klasse 6 - 50 bis einschl. 59 Jahre
Klasse 7 - 60 bis einschl. 69 Jahre
Klasse 8 - 70 bis einschl. 79 Jahre
Klasse 9 - über 80 Jahre

Besonders gute Werfer werden geehrt mit der:
bronzenen Nadel für 210 m
silbernen Nadel für 225 m
goldenen Nadel für 240 m
goldenen Nadel mit Eichenlaub für 255 m
goldenen Nadel mit Brillant für 270 m

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Das Feldboßeln


Beim Feldboßeln wird, wie beim Feldkampf, das Rollen der Boßel nach dem Aufkommen mitgerechnet (Der Trüll wird mitgezählt). Dabei ist jegliche Technik erlaubt.

Das Feldboßeln ist eine Disziplin die bei Nationalen und Internationalen Ausscheidungen, wie zum Beispiel Preisboßeln, beim HV-Fest und beim UV-Fest oder auch Deutsche Meisterschaft und Europameisterschaft ausgeübt wird.

Boßel

eine 300 g schwere, mit Blei gefüllte, Holzkugel (Hollandkloot)

Ablauf

Beim Feldboßeln treten in der Regel mehrere Werfer abwechselnd gegeneinander auf Feldern, Wiesen oder an Deichen an. Ziel ist es mit den (i. d. Regel 10) Würfen eine möglichst weite Strecke zurückzulegen. Jeder Werfer muss von dem Punkt aus werfen, wo sein Boßel nach dem Ausrollen liegen geblieben ist. Ziel ist es, mit den Würfen eine möglichst weite Strecke zurückzulegen.

Wurftechnik

Geworfen werden kann nach belieben: wie beim Standboßeln, Schlagball oder Schunken (Wurftechnik der Ostfriesen).

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Das Straßenboßeln

Das Straßenboßeln hat sich aus der Tatsache entwickelt, dass es der hinter der Marsch liegenden Geest an freien Flächen mangelt. Büsche, Bäume, Hecken und kleinere Hügel machten es fast unmöglich, geeignete Wettkampfstrecken für das Klootschießen zu finden. Beim Straßenboßeln ist es wichtig, genau zu werfen, damit die Kugel nicht so schnell von der Straße rollt.

Das Straßenboßeln ist eine Disziplin die bei Nationalen und Internationalen Ausscheidungen, wie zum Beispiel Preisboßeln, beim HV-Fest und beim UV-Fest oder auch Deutsche Meisterschaft und Europameisterschaft ausgeübt wird. Die besten Boßler können in 10 Würfen gut 2000 Meter werfen.

Boßel

eine 800 g schwere Eisenkugel

Ablauf

Beim Straßenboßeln treten in der Regel mehrere Werfer abwechselnd gegeneinander an, die als Wurfstrecken vor allem öffentliche Straßen benutzen. Ziel ist es mit den (i. d. Regel 10) Würfen eine möglichst weite Strecke zurückzulegen. Jeder Werfer muss von dem Punkt aus werfen, wo seine Boßel zuletzt liegen geblieben ist.

Wurftechnik

Die Technik ähnelt der beim Kegeln und ist daher wesentlich leichter zu lernen. Der Werfer läuft an und nimmt vor dem Wurf den Wurfarm einmal weit nach hinten um dann mit größtmöglichem Kraftaufwand nach vorn zu schnellen.

Wichtig

Wichtig beim Straßenboßeln ist die Beschaffenheit der Strecke. Der Werfer muss Gefälle, Kurven, Spurrillen und ähnliches optimal ausnutzen, um möglichst weit zu werfen und um zu verhindern, dass die Bosselkugel außerhalb der Begrenzung beispielsweise in einem Graben landet.

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Boßel-Kugeln

Die Boßel- oder Klootkugel wird manuell aus Apfelholz oder Weißbuche gefertigt. in das Holz werden Löcher gebohrt, die mit Blei ausgefüllt werden. Man unterscheidet neben den leichteren Kugeln für Frauen und Jugendliche vier verschiedene Kugelarten:


Feldkloot: Feldboßeln, 300 g, Durchmesser 65 mm.
Irische Straßenboßel: 800 g (28 Unzen), Durchmesser 58 mm, Eisen.
Friesenkloot: Standboßeln, 475 g, Durchmesser 58 mm.
Schleswig-Holsteinische Boßel: Feld- und Standboßeln, 500 g, Durchmesser 58 mm.

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Kleines Boßel-Wörterbuch:


Bahnwieser (Bahnweiser):

Bahnanzeiger mit Flagge


Boßel:

niederdeutsch = Kugel


Goldene Boßel:

wird nach dreimaligem Sieg einer Mannschaft überreicht


Boßlergruß:

Lüch op! = Heb auf!, erstmals 1892 in Wilster verwendet.
Fleut herut = Flieg heraus!, in Ostfriesland und Oldenburg gebräuchlich.


Bleier:

Fehlwurf beim Boßeln


bleiern:

schlecht werfen; schief, auch aus der Bahn werfen


Gewichte:

Boßel in Schleswig Holstein (Holzkugel mit Bleifüllung): 500g


Kiekut (Auskuck):

Vorsprung am Ende des Boßelwettkampfes


Schott:

Schuss oder Wurf ohne genaue Maßangabe; hat eine Mannschaft einen Schott Vorsprung, so stickt se en Schott op; verliert diese Mannschaft wieder ihren Vorsprung von einem Schott, so treckt se dat Schott en; der aus dem Spiel gezogene Werfer kann nun wieder mitwerfen.


Trüll:

Ein Trüll ist die Strecke, die die Kugel nach dem Aufschlag noch zurücklegt.

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Das Boßellied "Lüch op"


Lüch op ! So grööt wi Boßlers uns,
as´t al de Olen daeden,
wenn hitt an kole Winterdååg
in Masch un Geest se straeden !

Dat is en Lust, dat is en Höög,
as wi keen baeter waeten !
Jå, püüstert koolt dat vun´t Haff,
denn mööt wi Boßler sweten !

Denn geiht in´ Snee dör Wisch un Fenn
un över Grööv un Wehl´n,
jå, suust de Boßel över´t Ies,
denn will dor nümms nich faehl´n.

Steiht Arbeitsmann un Buur tohoop,
mi dünkt, dat is dat Recht !
Dat´s freesche un dithmarscher Åårt:
De kennt nich Herr un Knecht.

De gode Bruuk, de ole Sitt,
de uns vermååkt de Olen,
de schall uns alltiet hillig waen,
wüllt hoog in Ehr´n wi holen !

Vun´ Dollårt nå de Haewer ´rop
lååt weihn de Boßlerfåhnen,
to Heimåtleef un Brodersinn
un Troo un Gloov uns måhnen.

Lüch op ! Du Gröötnis frååm un free,
heel Düütschland schall di hören !
Lüch op ! Du frische Freesenwoort,
schaßt wedder tohööcht uns föhren.


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